Kostenlos abonnieren · Ein Angebot der HAKO Beteiligungsgesellschaft mbH · Dresden
Das unabhängige Briefing für kommunale Entscheider
11. Oktober 2026
Rheinisches Revier › Tragfähigkeits-Check Muster

Gesundheitszentrum Bürgewald: Versorgung sichern – mit dem kommunalen MVZ

Das Investitionsgesetz Kohleregionen fördert ausdrücklich Investitionen in Gesundheitseinrichtungen. Gefördert wird der Bau – der Betrieb einer Praxis nicht. Kommunen dürfen seit 2015 selbst MVZ tragen und halten damit die Zulassungen im Ort. Der Check rechnet Räume, Praxisbetrieb und die Gegenrechnung aus dem Zuzug zusammen – für das kommunale MVZ und als Vergleich für einen privaten Betreiber. Branchenkennzahlen aus der ambulanten Versorgung, Folgekosten und Betrieb als Annahmen mit Reglern.

Vorhaben (Muster)

Ort
Gemeinschaftsort Bürgewald
Nutzung
Hausärztliche Praxis, z. B. Zweigpraxis eines MVZ
Förderrahmen Bau
§ 4 Abs. 1 Nr. 3 InvKG
Förderquote Dorfentwicklung Bürgewald
97,5 %
Betrieb
nicht förderfähig
Quellen: § 4 InvKG – Investitionen in Gesundheitseinrichtungen · Land NRW: Förderbescheid Morschenich-Alt. Ob die Praxisräume im Einzelfall als Gesundheitseinrichtung anerkannt werden, entscheidet die Bewilligungsbehörde (Bezirksregierung Köln).

Kommune: Gemeinde Merzenich

Einwohner
10.509
Haushaltsstatus (31.12.2025)
genehmigte Verringerung der allgemeinen Rücklage
Kassenkredite je Einwohner
1.081 €
Branchenkennzahlen
KV-Fallwert unter 70 € · HZV 75–90 € · höchstens 800 Fälle je Arzt und Quartal
Die Fallzahl je Arzt lässt sich kaum steigern – der Erlöshebel einer hausärztlichen Praxis ist der Anteil der Patientinnen und Patienten in der hausarztzentrierten Versorgung (HZV).

–

–

Trägermodell
Versorgungsform

Gebäude

Räume im Gemeinschaftsort, gebaut mit Fördermitteln.

Investition Praxisräume–
davon Eigenanteil–
Unterhaltung des Gebäudes–
Abschreibung netto–
Miete vom Betreiber–
Saldo Gebäude p. a.–

Praxisbetrieb

–

Erlöse KV und HZV–
Ärztinnen und Ärzte–
Medizinische Fachangestellte–
Sachkosten, IT, Labor–
Betriebsführung durch Dienstleister–
Miete an die Gemeinde–
Ergebnis der Praxis p. a.–

Gemeinde Merzenich

Was am Ende im Haushalt ankommt.

Saldo Gebäude–
Gründungsprojekt (verteilt auf 5 Jahre)–
Anteil am Praxisergebnis–
Nachbargemeinden und Kreis tragen–
Einnahmen aus Zuzug–
Ergebnis für Merzenich p. a.–

–

Annahmen – mit Reglern prüfen

Musterwerte; im echten Check aus Bauplanung, Bedarfsplanung der KV, Wirtschaftsplan des MVZ und Haushalt der Gemeinde. Jede Änderung rechnet sofort neu.

Kosten im Muster je Arzt-Vollzeitstelle: 130.000 € Arbeitgeberkosten, 2,5 MFA zu je 45.000 € (Zweigpraxis 1,5), Sachkosten 40.000 € (Zweigpraxis 20.000 €). Betriebsführung und Gründungsprojekt als feste Beträge (Annahme). Gebäude: Unterhaltung 1,5 % der Investition, Nutzungsdauer 40 Jahre. Ampel nach dem Ergebnis für Merzenich je Einwohner: bei Rücklagenverzehr unter 10 € Belastung grün, bis 40 € gelb, darüber rot.

Empfehlung aus Kämmerersicht

  1. Kommunales MVZ gründen, Betrieb vergeben. Seit 2015 dürfen Kommunen MVZ tragen (§ 95 Abs. 1a SGB V). Die Gemeinde – oder gemeinsam mit Nachbarn und Kreis – hält die Zulassungen; Abrechnung, HZV und Personal führt ein Dienstleister im Auftrag. So bleibt der Versorgungsauftrag dauerhaft im Ort.
  2. Praxisräume in die laufende Dorfentwicklung aufnehmen. Die Anerkennung als Gesundheitseinrichtung früh mit der Bezirksregierung Köln klären – dann kosten die Räume die Gemeinde fast nichts.
  3. Mit einer Zweigpraxis beginnen, an die HZV koppeln. Feste Sprechtage eines MVZ halten die Kosten klein; ein HZV-Anteil von 80 % ist das Ziel. Ausbau zur eigenständigen Praxis, wenn der Zuzug kommt.
  4. Defizit teilen und befristen. Nachbargemeinden und Kreis Düren werden mitversorgt und tragen anteilig; ein gedeckelter Beitrag für drei Jahre, danach Überprüfung – gegenüber Rat und Aufsicht sauber darstellbar.

Versorgungskonzept und Branchenkennzahlen der ambulanten Versorgung in diesem Muster: DerArztPlus AG, Dresden – Betriebsführung, Abrechnung und Selektivverträge für Praxen und MVZ. Ansprechpartner: Oliver Krenzer, Vorstand.

Muster zur Veranschaulichung: Förderrahmen aus öffentlichen Quellen; Fläche, Kosten, Fallzahlen und Erlöse als Annahmen auf Basis von Branchenkennzahlen. Es handelt sich um keine Planung der Gemeinde Merzenich und keine Aussage über die tatsächliche Versorgungslage.

← Haushaltslage der 65 RevierkommunenMichael G. Kosel · Chefredakteur Der Kämmerer · chefredaktion@derkaemmerer.de